Speicheldrüsenerkrankungen: Diagnose
Speicheldrüsenerkrankungen
Definition
Alle Speicheldrüsen im Kopfbereich können an akuten und chronischen Entzündungen (ggf. mit Steinbildung), Tumoren und Sialadenosen verschiedener Genese erkranken. Bei sämtlichen Erkrankungen kommt es Veränderungen an der Parotis. Im Vordergrund stehen Erkrankungen an der Submandibulardrüse (ca. 85%), den Rest machen Erkrankungen an den Sublingualdrüsen und den sog. kleinen Mundspeicheldrüsen (ca. 15%) aus. Die Speichelsteinerkrankung betrifft vor allem die Submandibulardrüse.
Tumoren kommen am häufigsten in der Parotis vor, bei gleichzeitiger Fazialisschädigung besteht Verdacht auf malignes Wachstum.
Diagnostik
genaue Anamnese, innere und äußere Inspektion, Palpation und Sonographie, ggf. MRI oder CT
Häufige Tumoren
gutartig
Pleomorphes Adenom (Mischtumor, häufigster Parotistumor)
- Langsames Wachstum
- Polyzyklisch
- Verschieblich
- Indolent
Bösartig
Adenoidzystisches Karzinom (Zylindrom) der Parotis
- Langsames Wachstum
- Schlecht verschieblich
- Schmerzhaft bereits im frühen Stadium (im fortgeschrittenen Stadium häufig Fazialisparese)
- Knochendestruktionen
- Frühzeitige lymphogene und hämatogene Metastasierung
Plattenepithelkarzinom der Parotis
- Rasches Wachstum
- Schlecht verschieblich
- Meist druckdolent
- Meist vergrößerte Lymphknoten
- Fazialisparese
Merke
Bei gutartigen Tumoren ist die Exstirpation unter Schonung des Fazialisnerven angezeigt, Probeexzisionen auch aus gutartigen Tumoren können zur Bildung von Tochtergeschwülsten führen. Lediglich bei der Sialadenose ist eine Probeexzision ggf. zur Diagnostik erlaubt.
Parotitis
Akute oder chronische Entzündung der Glandula parotis viraler, bakterieller oder toxischer Genese
Virus-Parotitis
Ein- oder doppelseitige rezidivierende schmerzlose Schwellungen der Glandula parotis
Akute bakterielle Parotitis
Meistens einseitig (bei reduziertem Allgemeinzustand)
Symptome
- Diffuse, derbe und schmerzhafte Schwellung und Rötung
- Geringe Lymphknotenschwellung in der Nachbarschaft
- Eiterabsonderung durch den Ausführungsgang
- Fieber
Diese bakteriellen Parotitiden sind sekundär entweder ausgehend von einer Infektion in der Nachbarschaft (Lymphadenitis, Peritonsillarabszess, Furunkel) oder häufiger als Folge von Allgemeinerkrankungen (postoperativ, Stoffwechselstörungen, Kachexie, Leberzirrhose, Alkoholismus).
Verlauf
- Spontane Resorption
- Eitrige Einschmelzung
Sialoadenitis mit Steinbildung (Sialolithiasis)
Ca. 80-85% in der Glandula submandibularis
Symptome
- Meist plötzlich bei der Nahrungsaufnahme einsetzende Schwellung der entsprechenden Drüse
- Meist heftige Schmerzen durch Sekretrückstau (Speichelkolik)
Chronische Parotitis
Ätiologie
Meistens angeborene Störung der Sekretbildung bzw. des Gangsystems - daher
bevorzugt Kinder - im akuten Schub auch bakterieller Infekt
Symptome
- Schmerzen in den Ohrspeicheldrüsen
- Geringe Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens
- Drüsen im Intervall vergrößert und derb
- Bei bakteriellem Superinfekt wie bei akuter bakterieller Parotitis
Differenzialdiagnose
- Eitrige Parotitis
Verlauf
- Spontane Remission in der Pubertät
- Eitrige Einschmelzung
Sialadenosen
Ursachen
- Hormonale Störungen
- Rheumatische und Stoffwechselerkrankungen
Symptome
meist schmerzlose Schwellungen einer oder beider Parotiden (und der Glandulae submandibulares)
Sjögren-Syndrom
Myoepitheliale Sialadenitis (zum rheumatischen Formenkreis gehörende Autoimmunerkrankung)
Sialopenie
Ursachen
- Bei bestimmten Sialadenosen
- Nach Langzeitbehandlung durch Psychopharmaka
- Besonders aber nach Röntgenbestrahlung
Symptome
Sprechen und Schlucken behindert
Komplikationen
Gefahr der Superinfektion der Mundhöhle
Letztes Update:12 März, 2009 - 14:36








